Reisetagebuch 7.Teil 2010/11
Beginnen wir, wo wir das letzte Mal aufgehört haben... wie gesagt, mussten wir die Aluminiumteile einer Hütte austauschen...ich kaufte zehn nagelneue Aluminiumplatten, da das gebrauchte Zeug – wie ich bereits erlebt habe - bereits in der nächsten Regenzeit wieder Probleme machen würde. Ich sage den VolontärInnen immer, dass es notwendig ist, denjenigen zuzuhören, die mehr Erfahrungen haben – doch dann musst du die Dinge selber ausprobieren. In einer Hütte aus Holz und Metall zu leben, ist eine Erfahrung, die wir uns nicht einmal vorstellen können. Es ist ein vollkommen anderes Leben. In so einer Hütte hört man alles,
man hört sogar die Gekos am Dach gehen, die Ratten, die um die Hütte herum wuseln, und die Katzen, die sie jagen und erledigen. Und wenn der Wind weht, beginnt alles zu zittern, und wenn es zu regnen beginnt, rennen alle raus, um dafür zu sorgen, dass die Abwasserleitung und die Kanalisation nicht verstopft. Wenn die Leitungen verstopfen, muss man alles
ausheben und zu graben beginnen, um die Hütte zu retten. Ein Haufen fauliges Holz und Metall, zusammengehalten von rostigen Nägeln – das sind die Hütten - das ist das Heim, eines komplett anderen Lebens, einer anderen Art des Überlebens – das wir nicht kennen. Ein kleiner Riss kann zu einem grossen Problem werden, ein Mückenstich kann Malaria oder das Denguefieber bringen...
Heute war ich in grosser Sorge: ein kleines Mädchen, das normalerweise mit ihren Eltern auf den Strassen bettelt, sah plötzlich völlig verändert aus. Sie wirkte, als wäre sie missbraucht und misshandelt worden. Ich sah sie und sie verhielt sich sehr seltsam – sie schlug die Augen nieder und ihr übliches Lächeln war verschwunden. Und es gibt nichts was ich für sie tun kann – das Gesetz gibt mir keine Möglichkeit wegen einer Ahnung einzuschreiten. Nut, unsere thailändische Sekretärin, hat sie vorsichtig angesprochen und mit ihr geredet, sie gefragt, wie sie geschlafen hat... der Vater des Mädchens schaute sie scharf an, und sofort verstummte sie mitten im Satz, als sie Nut etwas sagen wollte und rannte zu mir und fragte mich, ob ich ihr Schuhe für die Schule besorgen kann. Kindern ist es nicht erlaubt ohne Schuhe zur Schule zu gehen. Wenn sie keine Schuhe und keine Schuluniform haben, sind sie ausgeschlossen. Wir haben uns also gleich auf den Weg gemacht, um ein Paar Schuhe und die notwendige Uniform (die von den öffentlichen Schulen nicht zur Verfügung gestellt wird) für die Kleine zu kaufen. Und wir hoffen, dass sie zur Schule gehen wird. Alles was wir tun können, ist unsere Augen offen zu halten, ihre Situation ständig mit zu verfolgen, beizustehen und zu begleiten – aber das ist alles verflixt schwierig. So kommen wir zum letzten Journal für dieses Jahr – ich gehe zurück nach Italien, um weitere Leute zu finden, die uns in dem täglichen Bemühen unterstützen können und wollen – dem Bemühen, Liebe und Möglichkeiten durch konkrete Hilfestellungen zu teilen.
Ich packe meine Koffer und fülle sie an mit all dem Lächeln und Lachen, den Umarmungen der Kinder – und mit ihren Schreien, und ihrem Weinen – mit allen unangenehmen Fragen und allem Gekicher. Wir konnten vielen Kindern helfen, ihnen die Möglichkeit geben, in einer sicheren Umgebung aufzuwachsen und zu lernen, sie dabei unterstützen ihre Liebesfähigkeit zu bewahren, sich nicht alleine auf dieser Welt und verlassen zu fühlen. Mein Koffer ist voll – voller Liebe und voller Dankbarkeit für alle, die mich bei meiner Arbeit unterstützen und über meine Abenteuer lesen. Ich möchte mich sehr herzlich für die Unterstützung und die Geduld bedanken. Die Nähe, die ich auch in schwierigen Situationen dadurch erfahre ist enorm wichtig, da es manchmal schwere Momente gibt, die es zu überstehen gilt. Ich hoffe, wir sehen uns in Italien! Ich werde nicht sehr lange dort sein, doch es wäre schön, sich zu treffen und über verschiedene Ideen zu sprechen, wie Take Care Kids, mit Hilfsaktionen und der Liebe für die Kinder, weiter unterstützt werden kann. Ich mach den Koffer zu...bis bald!
Tck






